Ludwig Schwarz, Porträtfotografie um 1917.

(Fam. Schwarz)
Meta Schwarz, Porträtfotografie um 1910

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII-GB Nr. 1122)
Ludwig und Meier Schwarz vor ihrem Haus am Melanchtonplatz 1, Fotografie 1934.

(Fam. Schwarz)
Joseph und Meier Schwarz, Porträtfotografie um 1929.

(Fam. Schwarz)
Rot umrandet der Melanchtonplatz 1. Etwas weiter südlich ist das, im Zweiten Weltkrieg zerstörte, Melanchthonschulhaus an der Landgrabenstraße zu erkennen. Die leicht geschwungene, von Nord nach Süd verlaufende breite Straße mit den Straßenbahngleisen ist die Gibitzenhofstraße. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 386)

Ludwig, Meta und Joseph Schwarz

Verlegeort: Melanchtonplatz 1 Stadtteil: Steinbühl
Patenschaft: (Werner) Meier Schwarz Verlegedatum: 21. Juli 2006

Biografien

Im Jahr 2006 ließ der israelische Biologe Prof. Dr. Meier Schwarz, geboren 1926 in Nürnberg, Stolpersteine für seine Eltern und seinen Bruder verlegen, die in der NS-Zeit ums Leben gekommen waren. Ihm war als einzigem Familienmitglied die Flucht ins Ausland gelungen.

Ludwig Schwarz wurde am 25. Juni 1877 in Egenhausen bei Bad Windsheim geboren. Er heiratete Meta Stern, die am 8. Februar 1889 in Wiesenbach bei Rothenburg ob der Tauber zur Welt gekommen war. Das Ehepaar zog nach Nürnberg, wo Ludwig als Kaufmann und Firmenvertreter arbeitete.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfünffachte sich die Einwohnerzahl Nürnbergs auf über 250.000 Personen. Viele Menschen vom Lande suchten ihr Glück in der Industriemetropole, darunter zahlreiche jüdische Familien aus kleinen fränkischen Ortschaften, die sich aufgrund antijüdischer Gesetzgebung jahrhundertelang nicht in der früheren Reichsstadt hatten ansiedeln dürfen. Erst nach der Einverleibung Nürnbergs in das neue Königreich Bayern 1806 fielen diese religiös begründeten Schranken allmählich, die rechtliche Gleichstellung von Juden erfolgte dann mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871.

Im Ersten Weltkrieg diente Ludwig Schwarz als Offizier im 6. Bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment, wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet und war zeitweise Vorgesetzter Julius Streichers, des späteren Gauleiters der NSDAP in Mittelfranken und Herausgebers des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“.

Ab 1920 wohnte das Ehepaar Schwarz im ersten Stockwerk des Hauses Melanchtonplatz 1, das ihnen neben zwei weiteren Wohnhäusern in Nürnberg gehörte. Dort kamen am 25. Mai 1921 ihr Sohn Joseph und am 28. Januar 1926 ihr Sohn Werner zur Welt.

Ludwig Schwarz war Vorstand der orthodoxen Gemeinde „Adas Israel“ in Nürnberg. Während einer Reise wurde er am 2. September 1937 am Bahnhof in Rottendorf bei Würzburg von Nationalsozialisten erschossen.

Seine Witwe wurde im Zuge der sogenannten „Arisierungen“ gezwungen, die drei Häuser der Familie und weiteren Besitz zu sehr niedrigen Preisen zu verkaufen. Nach langer Krankheit starb Meta Schwarz am 11. April 1940 im jüdischen Krankenhaus in Fürth. Der Totenschein nennt als Todesursache „Medikamentenmangel“, auf der Karte der Einwohnerkartei ist „Herzschlag“ verzeichnet.

Nach dem Tod der Mutter besuchte Joseph das Ausbildungs-Gut der „Hachschara“ in Neuendorf am Sand bei Fürstenwalde in Brandenburg. Es handelte sich um ein landwirtschaftliches Ausbildungsgehöft, in dem sich Juden auf die Besiedlung Palästinas vorbereiteten. Der Gutshof gehörte US-amerikanischen Staatsbürgern, was ihn eine Zeitlang vor dem Zugriff des NS-Regimes schützte. Im Frühjahr 1943 wurde das Gut geschlossen und Joseph am 19. April 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde.

Einzig Werner (mit jüdischem Vornamen Meier) Schwarz überlebte den Holocaust. Er kam im Juli 1939 als 13-Jähriger mit einem Kindertransport in ein Heim nach Jerusalem.

- Meier Schwarz: Der Synagogensucher. Lebenserinnerungen zwischen Nürnberg und Palästina. Nürnberg 2006.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Nr. 8 Meldekarten.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 29), Nürnberg 1998, S. 313.

- http://www.schoah.org/zeitzeugen/schwarz.htm [Stand 15.04.2021].

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