Marie Haag, Porträtfotografie um 1930.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 56)
Marie Haag, Porträtfotografie um 1935.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 56)
Rot umrandet die Gleisbühlstraße 13. Am unteren Bildrand ist der Hauptbahnhof mit den Gleisanlagen zu erkennen. Auf der nördlichen Seite des Bahnhofsplatzes führt zwischen dem Frauentorturm und dem Künstlerhaus die Königstraße in die Lorenzer Altstadt. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A97, Nr. 326)

Marie Haag

(1888-1938)

Verlegeort: Gleißbühlstraße 13 Stadtteil: Marienvorstadt
Pate: Andreas Landenberger Verlegedatum: 26. Juni 2022

Biografie

Am 26. Juni 2022 verlegte Gunter Demnig an acht Stellen im Stadtgebiet zehn Stolpersteine. Darunter befindet sich ein Stolperstein für Marie Haag, die als „Arierin“ in der „Reichskristallnacht“ von der SA erschlagen wurde.

Die sogenannte Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 stellte einen Meilenstein in der zunehmenden Judenverfolgung des NS-Staats dar. Im gesamten Deutschen Reich übte man öffentlich brutale Gewalt gegenüber Juden aus. Dass diese Gewaltnacht in Nürnberg besonders exzessiv ausfiel, überrascht nicht: Nürnberg war die Stadt der Reichsparteitage, die Stadt der Rassengesetze und die Stadt des radikalen Antisemiten Julius Streicher. In Nürnberg starben in der Nacht und in der Folge mehr als zwanzig Personen. Ein Mordopfer war Marie Haag.

Marie Haag wurde am 1. Juni 1888 in dem kleinen Dorf Kaierberg bei Feuchtwangen in einer evangelischen Familie geboren. Ihre Eltern waren Georg Haag und dessen Ehefrau Margarete, geborene Schumann. 1926 zog Marie nach Nürnberg und arbeitete in den folgenden Jahren bei verschiedenen Familien als Hausangestellte.

Für Juden war es ab September 1935 schwer, Dienstmädchen zu bekommen. Die „Nürnberger Gesetze“ von September 1935 sagten aus, dass Juden keine nichtjüdischen Dienstmädchen beschäftigten durften, die jünger als 45 Jahre alt waren. Im Oktober 1937 trat Marie Haag eine neue Stelle bei dem verwitweten jüdischen Hopfenhändler Otto Tuchmann an. Sie war damals 49 Jahre alt. Wie es üblich war, wohnte sie bei ihrem Dienstherrn.

In Gerichtsakten ist überliefert, dass in der besagten Nacht eine Gruppe SA-Männer die Wohnung stürmte und Maria Haag dabei einen Schlag auf den Kopf erhielt. Elf Tage später brach sie in der Wohnung bewusstlos zusammen und wurde in das Städtische Krankenhaus eingeliefert, wo sie am 28. November 1938 starb. Bei der Obduktion wurde eine Gehirnblutung als Todesursache festgestellt. Der Leiter des Pathologischen Instituts des Krankenhauses sagte 1949 gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, „dass eine mittelbare Beziehung zwischen dem Schlag an den Kopf und dem zum Tode führenden Gehirnschlag möglich und nicht von der Hand zu weisen ist.“

Quellen:

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/I Meldekarte.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 90 Nr. 159 Sektionsprotokoll.

- Dominik Radlmaier: Marie Haag: ein nichtjüdisches Opfer der Kristallnacht, Nürnberg 2015.

Stolpersteine in der Nähe