Fritz Drechsler, Porträtfotografie um 1920.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 28)
Rot umrandet die Köhnstraße 50, südöstlich des, unter den Gleisen des Hauptbahnhofs hindurchführenden, Marientunnels. Dieser geht nach der Abzweigung der Regensburger Straße in die Scheuerlstraße über, die wiederum im unteren Drittel der Aufnahme die Findelwiesenstraße kreuzt. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 358)

Fritz Drechsler

(1898-1941)

Verlegeort: Köhnstraße 50 Stadtteil: St. Peter
Patenschaft: Dieter Barth Verlegedatum: 9. November 2018

Biografie

Am 9. November 2018 kam Gunter Demnig zu einer Stolpersteinverlegung nach Nürnberg. An diesem geschichtsträchtigen Datum, dem 80. Jahrestag der „Reichskristallnacht“, verlegte er Stolpersteine für jüdische und homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus. Dieter Barth übernahm die Patenschaft für Fritz Drechslers Stolperstein. Drechsler wurde 1941 im KZ Neuengamme ermordet.

Fritz Drechsler wurde am 8. Februar 1898 in Nürnberg geboren und wuchs bei seiner alleinerziehenden Mutter auf. Nach dem Besuch der Volksschule war er mehrere Jahre lang erwerbslos. Während des Ersten Weltkriegs diente Drechsler als Soldat in der Bayerischen Armee und kehrte 1920 nach Nürnberg zurück.

Anfang 1927 fand Drechsler eine Anstellung als kaufmännischer Angestellter im Lohnbüro der Firma Neumeyer. Weiterhin lebte er bei seiner Mutter, mit der er sich eine Wohnung in der Köhnstraße teilte.

Von einer Strafverfolgung wegen seiner Homosexualität blieb Drechsler nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten anfangs noch verschont. Die Polizeibehörden wussten später lediglich zu berichten, dass er im März 1935 und im selben Monat des folgenden Jahren jeweils einmal in einer öffentlichen Toilettenanlage aufgefallen war, weil er sich dort „verdächtig“ verhalten habe. Ein Verstoß gegen den Paragraphen 175 konnte ihm dabei allerdings nicht nachgewiesen werden.

Dies änderte sich durch einen Vorfall im September 1936: Drechsler suchte in einer Toilettenanlage am Aufseßplatz offenkundig sexuelle Kontakte und unternahm dort mehrere Annäherungsversuche bei Personen, die sich zufällig dort aufhielten. Eine Gruppe von vier Männern, die so auf Drechsler aufmerksam wurde, sah es als ihre Aufgabe an, ihn deshalb der Polizei zu übergeben. Gemeinsam ergriffen die vier Männer Drechsler und brachten ihn zur nächsten Polizeiwache, wo sie Anzeige wegen Belästigung erstatteten. Drechsler, der alle Vorwürfe abstritt, wurde zwar zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Anfang April 1937 fand wegen des Vorfalls aber ein Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth statt, der mit einer Verurteilung Drechslers zu einer Haftstrafe von vier Monaten endete.

Nur kurze Zeit später erfolgte eine weitere Verurteilung wegen Verstoßes gegen den Paragraphen 175 durch das Landgericht. Infolge der beiden Schuldsprüche war Drechsler bis Oktober 1938 in Haft. Aus dieser wurde er nach der vollständigen Verbüßung seiner Strafen wieder entlassen. Bald darauf muss es zu einem erneuten Vorfall gekommen sein, durch den Drechsler ins Visier der Nürnberger Kriminalpolizei geriet. Diese entschied nun, ihn in polizeiliche Vorbeugungshaft zu nehmen, ihn also auf unbestimmte Zeit in ein Konzentrationslager einzuweisen.

Anfang Januar 1941 traf Drechsler als Häftling im KZ Dachau ein, von wo aus er noch im selben Monat in das bei Hamburg gelegene KZ Neuengamme überführt wurde. Dort wurde er am 19. März 1941 im Alter von 43 Jahren ermordet.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

- Staatsarchiv Nürnberg, Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Nürnberg-Fürth II, Nr. 764.

- Biografische Zusammenstellung von Dr. Matthias Gemählich.

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