Arthur Brunner, Porträtfotografie um 1930.

(Zentralarchiv der Diakonie Neuendettelsau, Patientenakte Arthur Brunner)
Rot umrandet die Moltkestraße 25, direkt an der Ecke zur Himpfelshofstraße. Die Moltkestraße führt, die Hochstraße kreuzend, hinab zur Deutschherrnstraße. Die hellen Freiflächen am oberen Bildrand sind die Deutschherrnwiese. Während die rechten, westlichen Sportplätze heute noch bestehen, wurde der östliche Teil 1980 mit dem Neubau der Wilhelm-Löhe-Schule überbaut. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 264)

Arthur Brunner

(1919-1941)

Verlegeort: Moltkestraße 25 Stadtteil: Himpfelshof
Patenschaft: Rotary Club Nürnberg Kaiserburg Verlegedatum: 11. Juni 2021

Biografie

Gunter Demnig verlegte am 11. Juni 2021 sechs Stolpersteine für Opfer nationalsozialistischer Medizinverbrechen in Nürnberg. Deren Lebensweg erforschten Schülerinnen und Schüler eines P-Seminars des Hermann-Kesten-Kollegs Nürnberg unter der Leitung von Dr. Maren Janetzko und Dr. Pascal Metzger. Das Projekt wurde in Kooperation mit Geschichte Für Alle e.V. durchgeführt. Die Seminarteilnehmer warben beim Rotary Club Nünberg Kaiserburg erfolgreich um eine Spende für die Verlegung. In dem Projekt wurde unter anderem die Biografie von Arthur Brunner rekonstruiert. Aufgrund einer geistigen Beeinträchtigung fiel er dem „Euthanasie“-Programm zum Opfer.

Arthur Brunner wurde am 4. Januar 1919 in Nürnberg geboren. Seine Eltern waren der Lagerist Georg Brunner und dessen Ehefrau Babette, geborene Winkler. Arthur hatte zwei ältere Geschwister. Die Familie lebte in der Moltkestraße 25 in Himpfelshof.

Als Kleinkind infizierte sich Arthur mit Masern und Polio, woraufhin es zu einer Gehirnschädigung kam. Die damalige ärztliche Diagnose lautete „Schwachsinn“. Seit seinem neunten Lebensjahr war Arthur in Pflegeanstalten der Diakonie Neuendettelsau untergebracht, zuerst in Bruckberg, dann in Engelthal. Seine Eltern besuchten ihn regelmäßig und holten Arthur in jedem Sommer und an Weihnachten für ein paar Tage zu sich.

Die nationalsozialistische Ideologie teilte Menschen in „wertvoll“ und „wertlos“ ein. Unzähligen Menschen mit Krankheiten und Behinderungen sowie Personen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt waren, sprach der NS-Staat das Recht auf Leben ab. Man bezeichnete das als „Euthanasie“ und meinte damit planmäßige Vernichtung. In den Jahren 1940/41 wurden mehr als 70.000 Menschen in der staatlichen Tötungsaktion „T4“ ermordet. Das Mordprogramm erhielt seinen Namen nach dem Dienstsitz der durchführenden Behörde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin.

Im Rahmen der „Aktion T4“ wurde Arthur Brunner zunächst in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach verlegt. Anschließend brachte man ihn am 26. Februar 1941 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz und ermordete ihn in der Gaskammer.

- Bundesarchiv Berlin, R 179, Nr. 19357.

- Zentralarchiv der Diakonie Neuendettelsau, Patientenakte Arthur Brunner.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

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