Frieda Brüll, Porträtfotografie um 1930.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 19)

Rot umrandet die Blumenthalstraße 7. Direkt oberhalb davon verläuft die Deutschherrnstraße, die etwas weiter westlich (im Bild links) auf die Roonstraße trifft. Deutlich sind die Johannisbrücke und die Pegnitz zu erkennen, letztere durchschneidet die Aufnahme von Ost nach West. Die hellen Flächen etwas nördlich der Blumenthalstraße sind die Sportplätze der Deutschherrnwiese, heute steht hier unter anderem die Wilhelm-Löhe-Schule. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 265)

Frieda Brüll

(1875-1942)

Verlegeort: Blumenthalstraße 7 Stadtteil: Himpfelshof
Patenschaft: Claus Bößenecker Verlegedatum: 9. November 2018

Biografie

Als Kind wohnte Claus Bößenecker mit seinen Eltern in der Blumenthalstraße 7. Zeitlebens erinnerte er sich gerne an die nette Nachbarin Frieda Brüll, die eines Tages weg war. Am 9. November 2018 ließ er einen Stolperstein für sie verlegen.

Frieda Bing wurde am 9. Oktober 1875 als eines von elf Kindern des Unternehmers Ignaz Bing (1840-1918) in Nürnberg geboren.

Ihr Vater hatte 1864 zusammen mit seinem Bruder Adolf in Nürnberg das Handelsunternehmen „Gebr. Bing“ gegründet. Sie verkauften Haushalts-, Metall- und Spielwaren, die überwiegend von Heimarbeitern hergestellt wurden. Ab 1882 ließ man in einem eigenen Werk produzieren. Ende des 19. Jahrhunderts unterhielt die „Nürnberger Spielwarenfabrik Gebrüder Bing“ mehrere Fertigungsstätten in Nürnberg und außerorts. Massenartikel für den täglichen Gebrauch, wie zum Beispiel Blechgeschirr, fanden weltweit Absatz. Das Unternehmen wuchs immer weiter und wurde 1895 in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Nürnberger Metall- und Lackierwarenfabrik vorm. Gebr. Bing“ umgewandelt. Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte man rund 5.000 Personen und galt als größter Spielzeughersteller der Welt. In den 1920er Jahren florierte das Geschäft zunächst erneut, bevor die „Bing-Werke AG“ im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1932 bankrott ging. Einzelne Geschäftszweige wurden von anderen Unternehmen fortgeführt.

Frieda Bing heiratete 1897 den Kaufmann Ludwig Brüll, der am 29. Oktober 1863 in Bamberg geboren worden war. Nach der Hochzeit trat er als Prokurist in das Unternehmen seines Schwiegervaters ein. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Dora kam am 16. Januar 1899 zur Welt und Otto am 7. Mai 1905. Ludwig Brüll starb am 16. Oktober 1914 in Nürnberg.

Am 10. September 1942 deportierte man Frieda Brüll nach Theresienstadt und von dort wenige Tage später am 29. September nach Treblinka, wo sie ermordet wurde. Dora wurde im Oktober 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet, Otto 1943 in Auschwitz.

- Gespräch mit Claus Bößenecker im Januar 2018.

- Ilse Vogel: Emanzipation – und dann? Die Geschichte der jüdischen Familien Ottenstein und Bing über fünf Generationen, Neustadt an der Aisch 2019.

- Ignaz Bing: Aus meinem Leben. Erinnerungen eines Nürnberger Unternehmers und Höhlenforschers 1840 - 1918, Jülich 2004.

- Rudolf Endres: Familie Bing. Fabrikanten in Nürnberg, in: Manfred Treml (Hrsg.), Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Band 2: Lebensläufe (Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur 18/2), München 1988, S. 173-177.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Nr. 2 Meldekarte.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 29), Nürnberg 1998, S. 40.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa, Ergänzungsband (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 30), Nürnberg 2002, S. 8.

Stolpersteine in der Nähe