Detailbild von einer gepflasterten Straße mit grauen Eimern und einem goldenen Stolperstein kurz vor dessen Verlegung

Martin Kohn, Porträtfotografie um 1933.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 85)

Rot umrandet der Vestnertorgraben 15. Unterhalb ist die Kaiserburg mit Sinwellturm, Fünfeck-Turm, Kornspeicher (die heutige Jugendherberge) und Luginsland zu sehen. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 233)

Martin und Else Kohn

Verlegeort: Vestnertorgraben 15 Stadtteil: Gärten hinter der Veste
Patenschaft: Jeffrey Metzger Verlegedatum: 29. April 2026

Biografie

Am 29. April 2026 wurden zwei Stolpersteine für Martin und Else Kohn verlegt. Pate der Verlegung war ihr Nachfahre Jeffrey Metzger. Else beging 1939 Selbstmord; Martin wurde in Riga-Jungfernhof ermordet.

Martin Kohn kam am 26. Oktober 1877 in Nürnberg zur Welt. Er war der erste Sohn von Emil und Wilhelmine Kohn, geb. Maas. Sein Großvater, Anton Kohn, gründete 1878 das Bankhaus Anton Kohn, einst eine der größten Privatbanken Bayerns. 1903 trat Martin Kohn als Teilhaber in das Bankhaus Anton Kohn ein und leitete es nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1906, zusammen mit seinem Bruder Richard.

Am 2. Juli 1910 ging er die Ehe mit Else Tuchmann ein. Sie war am 19. Juli 1891 in Nürnberg zur Welt gekommen, als Tochter von Richard und Lina Tuchmann, geb. Heidenheimer.

Martin und Else hatten eine Tochter, Edith Käthe, geboren am 4. Juni 1911 in Nürnberg. Im August 1919 zog die Familie in das Haus am Vestnertorgraben 15.

Ab 1933 machten die Nationalsozialisten den Geschäftsbetrieb des Bankhauses Kohn zunehmend unmöglich. Martin Kohn musste das Amt des Handelsrichters abgeben. 1938 kam es zu der erzwungenen Liquidation des Bankhauses Kohn und dem erzwungenen Verkauf der Anwesen Königstraße 26 und der Kohnschen Villa in der Campestraße 10. Die Nationalsozialisten nannten es „Arisierung“.

Die Kaufpreise für das Unternehmen und die Immobilien landeten auf Sperrkonten, auf die die vormaligen Besitzer keinen Zugriff hatten. Nun fehlten die Mittel für eine Auswanderung.

Im Juli 1937 heiratete Edith den Augenarzt Dr. Willy Heller. Das Paar floh 1939 über die Dominikanische Republik in die USA.

Else nahm sich am 16. April 1939 selbst das Leben. Martin wurde am 29. November 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, wo er vermutlich am 26. März 1942 Opfer einer Massenerschießung wurde.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Nr. 5 Meldekarten.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 29), Nürnberg 1998, S. 175.

Stolpersteine in der Nähe