Wilhelm Stellwag, Porträtfotografie um 1930.

(Bundesarchiv Berlin, R 179 Nr. 15510)
Rot umrandet die Hirschelgasse 5. Etwas nordwestlich davon (hier links) sind die Sieben Zeilen zu erkennen. Bei der Freifläche in der Bildmitte handelt es sich um den Inneren Laufer Platz. An dessen Westende erhebt sich der Laufer Schlagturm. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 257)

Wilhelm Stellwag

(1894-1940)

Verlegeort: Hirschelgasse 5 Stadtteil: St. Sebald
Patenschaft: Rotary Club Nürnberg Kaiserburg Verlegedatum: 11. Juni 2021

Biografie

Gunter Demnig verlegte am 11. Juni 2021 sechs Stolpersteine für Opfer nationalsozialistischer Medizinverbrechen in Nürnberg. Deren Lebensweg erforschten Schülerinnen und Schüler eines P-Seminars des Hermann-Kesten-Kollegs Nürnberg unter der Leitung von Dr. Maren Janetzko und Dr. Pascal Metzger. Das Projekt wurde in Kooperation mit Geschichte Für Alle e.V. durchgeführt. Die Seminarteilnehmer warben beim Rotary Club Nünberg Kaiserburg erfolgreich um eine Spende für die Verlegung. In dem Projekt wurde unter anderem die Biografie von Wilhelm Stellwag rekonstruiert. Aufgrund einer psychischen Erkrankung fiel er dem „Euthanasie“-Programm zum Opfer.

Wilhelm Stellwag kam am 31. Dezember 1894 in Nürnberg zur Welt. Sein Vater Heinrich Stellwag war Pinselfabrikant und lebte mit seiner Frau Julie, geborene Schmidt, in der Hirschelgasse 5 in der Altstadt.

Wilhelm lernte den Beruf des Bankangestellten. Als er 20 Jahre alt war, brach der Erste Weltkrieg aus und er wurde eingezogen. Was er als Soldat erlebte, ist nicht überliefert. Aus dem Krieg kehrte er mit massiven psychischen Problemen zurück. Nach Kriegsende hielt er sich fast durchgehend in Krankenhäusern, Erholungsheimen und Pflegeeinrichtungen auf, ab 1925 war er in der Heil- und Pflegeanstalt Ansbach untergebracht. Die Diagnose lautete Schizophrenie und Demenz.

Die nationalsozialistische Ideologie teilte Menschen in „wertvoll“ und „wertlos“ ein. Unzähligen Menschen mit Krankheiten und Behinderungen sowie Personen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt waren, sprach der NS-Staat das Recht auf Leben ab. Man bezeichnete das als „Euthanasie“ und meinte damit planmäßige Vernichtung. In den Jahren 1940/41 wurden mehr als 70.000 Menschen in der staatlichen Tötungsaktion „T4“ ermordet. Das Mordprogramm erhielt seinen Namen nach dem Dienstsitz der durchführenden Behörde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin.

Im Rahmen der „Aktion T4“ wurde Wilhelm Stellwag am 3. Dezember 1940 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz verlegt und in der Gaskammer ermordet.

- Bundesarchiv Berlin, R 179, Nr. 15510.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

Stolpersteine in der Nähe