Leonard (Leo) Eichmüller
(1884-1975)
| Verlegeort: Theatergasse 7 | Stadtteil: St. Lorenz |
| Patenschaft: Ines Eichmüller | Verlegedatum: 9. Oktober 2026 |
Biografie
Am 9. Oktober 2026 wurden drei Stolpersteine für Kommunisten im Widerstand verlegt: Johann Riemer, Karl Riemer und Leo Eichmüller. Während ihrer Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau wurden sie Freunde. Initiatorin der Verlegung war Ines Eichmüller, die Großnichte von Leo Eichmüller. Alle drei überlebten Dachau.
Leonhard (Leo) Eichmüller wurde am 31. Juli 1884 in Oberdachstetten bei Ansbach geboren, als Sohn von Marie Margarete Eichmüller und Friedrich Reichert. Sein Vater war Steinschleifer. Leo arbeitete als Heizer.
Am 26. Dezember 1909 heiratete er Babette Reiß. Sie war am 2. März 1886 in Forchheim zur Welt gekommen, als Tochter von Wilhelm und Barbara Reiß, geb. Struppel.
Das Paar hatte zwei Töchter: Elise, geboren am 22. Oktober 1910, und Luise, geboren am 13. Juli 1920, jeweils in Nürnberg. Die Familie zog am 27. Juli 1927 in das Haus in der Theatergasse 7 ein.
Leo Eichmüller war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Er wurde nach der „Gleichschaltung“ Bayerns am 8. März 1933 in der ersten Welle der Festnahmen politischer Gegner am 14. März 1933 verhaftet. Am 13. April 1933 lieferte man ihn mit der Häftlingsnummer 50 in das neugegründete Konzentrationslager Dachau ein. Er musste dort und im KZ Flossenbürg mehr als zwölf Jahre verbringen. In Dachau war er mit den Brüdern Karl und Johann Riemer befreundet.
Als Leiter eines Müllfahrerkommandos ermöglichte Leo Eichmüller im April 1945 mehreren Häftlingen die Flucht aus Dachau. Unter ihnen befand sich Karl Riemer, der sich zu den heranrückenden amerikanischen Truppen durchschlug und sie über die Lage im Konzentrationslager informierte. Ob Riemers Bericht die Befreiung des Lagers beschleunigte, ist historisch umstritten.
Nach 1945 war Leo Eichmüller Zeuge in den Dachauer Prozessen der US Army. Er hielt regen Kontakt zu seinen ehemaligen Mithäftlingen.
Leo starb am 8. Februar 1975, zwei Monate vor der Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag der Befreiung des KZs Dachau.
- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/II Meldekarte.