Johanna Deinzer, Porträtfotografie um 1930.

(Bundesarchiv Berlin, R 179 Nr. 8139)
Rot umrandet die Obere Seitenstraße 15 in Gostenhof, die etwas westlich davon auf die Untere Kanalstraße trifft. Am oberen Bildrand durchschneidet die Fürther Straße die Aufnahme von Ost nach West (hier von rechts nach links), etwas weiter westlich sind die Dreieinigkeitskirche und die Veit-Stoß-Anlage zu erkennen. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 282)

Johanna Deinzer

(1896-1940)

Verlegeort: Obere Seitenstraße 15 Stadtteil: Gostenhof
Patenschaft: Rotary Club Nürnberg Kaiserburg Verlegedatum: 11. Juni 2021

Biografie

Gunter Demnig verlegte am 11. Juni 2021 sechs Stolpersteine für Opfer nationalsozialistischer Medizinverbrechen in Nürnberg. Deren Lebensweg erforschten Schülerinnen und Schüler eines P-Seminars des Hermann-Kesten-Kollegs Nürnberg unter der Leitung von Dr. Maren Janetzko und Dr. Pascal Metzger. Das Projekt wurde in Kooperation mit Geschichte Für Alle e.V. durchgeführt. Die Seminarteilnehmer warben beim Rotary Club Nünberg Kaiserburg erfolgreich um eine Spende für die Verlegung. In dem Projekt wurde unter anderem die Biografie von Johanna Deinzer rekonstruiert. Aufgrund geistiger Beeinträchtigungen fiel sie dem „Euthanasie“-Programm zum Opfer.

Johanna Braun kam am 25. Februar 1896 in Stuttgart zur Welt. Ihr Vater Christian Braun war Tapezierer. Sie heiratete den ebenfalls in Stuttgart geborenen Elektromonteur Georg Deinzer und zog mit ihm Anfang der 1920er Jahre nach Nürnberg. Eine Wohnung fanden sie in der Oberen Seitenstraße 15. Gemeinsam hatte das Ehepaar fünf Kinder.

Im Alter von Ende 20 stellten sich bei Johanna Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen ein. Die Ärzte diagnostizierten Schizophrenie. Von Dezember 1926 bis Februar 1927 brachte man sie in der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen unter. Sie wurde unter Pflegschaft gestellt und, als es ihr besser ging, nach Hause entlassen.

Anfang November 1927 suchte Johanna selbst das Städtische Krankenhaus in Nürnberg auf und bat um Hilfe. Von dort wurde sie nach sechs Wochen in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach verlegt. Da sich ihr Gesundheitszustand nicht besserte, musste sie dauerhaft bleiben.

Die nationalsozialistische Ideologie teilte Menschen in „wertvoll“ und „wertlos“ ein. Unzähligen Menschen mit Krankheiten und Behinderungen sowie Personen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt waren, sprach der NS-Staat das Recht auf Leben ab. Man bezeichnete das als „Euthanasie“ und meinte damit planmäßige Vernichtung. In den Jahren 1940/41 wurden mehr als 70.000 Menschen in der staatlichen Tötungsaktion „T4“ ermordet. Das Mordprogramm erhielt seinen Namen nach dem Dienstsitz der durchführenden Behörde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin.

Im Rahmen der „Aktion T4“ wurde Johanna Deinzer am 3. Dezember 1940 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz verlegt und in der Gaskammer ermordet.

- Bundesarchiv Berlin, R 179, Nr. 8139.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

Stolpersteine in der Nähe