Eduard Hettlich
(1896-1941)
| Verlegeort: Neckarstraße 6 | Stadtteil: Gibitzenhof |
| Patenschaft: Doris Petersen | Verlegedatum: 9. Oktober 2026 |
Biografie
Am 9. Oktober 2026 wurde ein Stolperstein für Eduard Hettlich verlegt. Patin war seine Urenkelin Doris Petersen. Eduard Hettlich sprach offen über seine Ablehnung des NS-Regimes und dessen Anführer. Verurteilt vom Sondergericht Nürnberg, wurde er im KZ Buchenwald ermordet.
Johann Eduard Hettlich wurde am 17. Mai 1896 in Nürnberg geboren, als Sohn von Peter und Anna Marie Hettlich, geb. Stützel. Seine Eltern trennten sich bald nach seiner Geburt. Der Vater emigrierte in die USA und die Mutter zog nach Schweinfurt, wo Eduard aufwuchs. Nach kurzen Anstellungen als Fabrikarbeiter begann er ein Wanderleben und arbeitete unter anderem als Schiffsjunge.
Im September 1914 trat Hettlich in ein Infanterie-Regiment als Kriegsfreiwilliger ein. Er wurde zweimal verwundet. Nach seiner Entlassung kam er nach Nürnberg, wo er – gemischt mit Phasen der Arbeitslosigkeit – als Privatdetektiv, kaufmännischer Angestellter, Postbetriebsarbeiter, Arbeiter in einer Blechspielwarenfabrik und als städtischer Messerableser tätig war.
Am 6. April 1918 heiratete er Babette Appold in Nürnberg. Sie war am 27. Juni 1896 in Nürnberg geboren worden, als Tochter von Johann Georg und Christine Appold, geb. Volland. Die Ehe wurde am 24. Juni 1919 geschieden. Ihre Tochter, Christine Hedwig, kam am 2. August 1919 zur Welt.
Am 11. Oktober 1919 heiratete Hettlich Margarete Graf. Sie war am 1. August 1896 in Pressath bei Eschenbach in der Oberpfalz geboren worden, als Tochter von Michael und Anna Graf, geb. Koller. Die Ehe wurde am 20. Juni 1933 geschieden. Zwei Jahre später, am 16. Mai 1935, heiratete das Paar erneut.
Hettlich trat am 12. Februar 1932 in die NSDAP ein und wurde der Ortsgruppe Steinbühl zugeordnet. Am 1. Juni 1933 wurde er „infolge ständiger Quertreibereien“ aus der Partei ausgeschlossen.
Nach einem Selbstmordversuch am 6. Juni 1932 war er längere Zeit dienstunfähig und wurde daher in den Ruhestand versetzt.
Ab 1933 wurde Hettlich wegen politischer Äußerungen mehrmals verhört. 1935 leitete die Staatsanwaltschaft gegen ihn ein Strafverfahren wegen Bemerkungen unter anderem über den „Röhm-Putsch“ ein. Man fand zwei Notizbücher mit abwertenden Kommentaren über die Regierung in seinem Besitz. Ferner Briefe, adressiert an den Reichsstatthalter von Bayern Franz Ritter von Epp und Reichkanzler Adolf Hitler, in denen Hettlich über „die Unzufriedenheit im Frankenarbeiterstande“ und fehlende Gerechtigkeit in der Gesellschaft klagte. Das Verfahren wurde aufgrund des sogenannten Straffreiheitsgesetzes eingestellt. Während des Verfahrens saß er in „Schutzhaft“ im Strafvollzugsgefängnis Nürnberg.
1939 wurde Hettlich von einer Verkäuferin denunziert. Sie behauptete, Hettlich spreche abfällig über den „Führer“ und seine Kriegspläne. Am 17. Februar 1940 verurteilte das Sondergericht Nürnberg Hettlich wegen einem Vergehen gegen das „Heimtückegesetz“ zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Die vier Monate, die er in Untersuchungshaft verbracht hatte, wurden angerechnet. Das Strafende wäre dadurch am 17. Oktober 1940 gewesen.
Am 15. November 1940 wurde Hettlich als „Schutzhäftling“ ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Am 12. Juli 1941 überführte man ihn in das KZ Buchenwald . Er wurde dort am 26. September 1941 ermordet.
Nach seinem Tod versuchte seine Witwe vergeblich, eine Witwenrente zu bekommen.
- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/II Meldekarten.
- Stadtarchiv Nürnberg, Aufzeichnungen der Anklagebehörde bei dem Sondergericht Nürnberg, Nr. 727.
- Stadtarchiv Nürnberg, Personalakte Eduard Hettlich.