Im Erdgeschoss des Gebäudes am Frauentorgraben 17 befand sich das Restaurant „Tiefer Keller“. Am rechten Bildrand ist das Opernhaus zu sehen. Ansichtskarte 1905.

(Sammlung Sebastian Gulden)
Rot umrandet das Haus Frauentorgraben 17. Etwas westlich (auf der Aufnahme links) ist das Opernhaus (heute Staatstheater) zu erkennen. Direkt darunter mit dem dunklen Dach befindet sich das Herkules-Velodrom. Etwas links davon erhebt sich der mächtige Baukörper des Verkehrsmuseums. Als weiteres Museum ist nördlich des Opernhauses das unmittelbar hinter der Mauer gelegene Germanische Nationalmuseum zu erkennen. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 328)

Rudolf Brinkmann

(1908-1941)

Verlegeort: Frauentorgraben 17 Stadtteil: Tafelhof
Patenschaft: Fliederlich e.V. – queeres Zentrum Verlegedatum: 17. Oktober 2017

Biografie

Seit dem 17. Oktober 2017 erinnern Stolpersteine in Nürnberg auch an homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus. Veranlasst hatte die Verlegung der Arbeitskreis Politik bei Fliederlich e.V. unter der Leitung von Ralph Hoffmann (†). An diesem Tag verlegte Gunter Demnig unter anderem einen Stolperstein für Rudolf Brinkmann, der im KZ Flossenbürg ermordet wurde.

Rudolf Hans Brinkmann kam am 21. Februar 1908 in Stettin zur Welt. Seine Eltern waren der Telegrafenamtsdirektor Rudolf Brinkmann (Senior) und Sophia, geborene Dannermann. Die Familie war katholisch.

Brinkmann wuchs in Hildesheim auf, wo er die Mittelschule und im Anschluss das humanistische Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur nahm er ein Studium der Slawistik und Philosophie auf. Zu diesem Zweck zog er zunächst nach Freiburg im Breisgau und dann nach Münster. 1933 ließ Brinkmann sich in Berlin nieder, wo er seine Homosexualität auslebte und einschlägige Treffpunkte der schwulen Szene besuchte. Jene war steigender Repression durch die im selben Jahr an die Macht gelangten Nationalsozialisten ausgesetzt.

Im Dezember 1934 verhaftete die Gestapo Brinkmann bei einer Razzia gegen Homosexuelle. Man verschleppte ihn ins KZ Lichtenburg bei Torgau und hielt ihn dort acht Monate lang fest. Nach seiner Freilassung verurteilte ihn das Amtsgericht Berlin wegen Verstoßes gegen den § 175 zu einer achtmonatigen Haftstrafe, die durch die KZ-Haft als verbüßt galt.

Die Auswirkungen der Verurteilung waren für Brinkmann dennoch dramatisch: Er war polizeilich als vorbestrafter Homosexueller erfasst und musste massive Benachteiligungen bei seinem beruflichen Fortkommen hinnehmen. Sein Studium durfte er nicht mehr abschließen. Brinkmann kehrte in den Haushalt seiner Eltern nach Hildesheim zurück und fasste den Entschluss, eine Ausbildung zum Buchhändler zu absolvieren. Dieser Plan scheiterte jedoch an behördlichem Widerstand. Die Reichsschrifttumskammer verwehrte im Juli 1937 die nötige Zulassung unter der Angabe, dass ihm als Homosexuellem die Eignung zum Buchhändlerberuf fehle.

Die Erleichterung muss für Brinkmann groß gewesen sein, als er ein knappes Jahr später Arbeit fand: Anfang Juli 1938 trat er eine Stelle beim Amtlichen Bayerischen Reisebüro in Nürnberg an. Dort genoss er schnell die Wertschätzung seiner Kollegen. Sein direkter Vorgesetzter sah in ihm einen „sehr ruhigen, fleißigen und anständigen Menschen“. Zur Untermiete bezog Brinkmann ein Zimmer in der Wohnung von Betti Götz am Frauentorgraben 17.

In Nürnberg lebte Brinkmann ein zurückgezogenes Leben, gelegentlich suchte er Kontakt zu anderen Homosexuellen. Zum Verhängnis wurde ihm die Bekanntschaft mit einem 23-Jährigen, den er im Februar 1939 im Hauptbahnhof angesprochen hatte. Nach einigen Treffen ließ Brinkmann durchblicken, dass er homosexuell und an jenem interessiert sei. Dieser denunzierte Brinkmann daraufhin bei der Polizei.

Nach umfangreichen Ermittlungen verurteilte das Landgericht Nürnberg-Fürth Brinkmann am 3. August 1939 zu einer zweijährigen Haftstrafe. Anfangs verbüßte er die Haft im Zuchthaus Ebrach, danach im Strafgefängnis Bayreuth. Als im Februar 1941 seine Entlassung näher rückte, entschied die Kriminalpolizei Nürnberg, Brinkmann in „polizeiliche Vorbeugungshaft“ zu nehmen. Dadurch kam er nach Verbüßung der Haftstrafe nicht frei, man wies ihn stattdessen ins KZ Flossenbürg ein. Dort wurde Rudolf Brinkmann am 17. November 1941 ermordet.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

- Staatsarchiv Nürnberg, Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Nürnberg-Fürth II, Nr. 1157.

- Staatsarchiv Bamberg, Gefangenenbücher JVA St. Georgen-Bayreuth, K 190, Nr. 95 u. JVA Ebrach, K 192, Nr. 63.

- Online-Totenbuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, URL: https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/recherche/totenbuch/.

- Biografische Zusammenstellung von Dr. Matthias Gemählich.

Stolpersteine in der Nähe