Dr. Martin Wund, Porträtfotografie 1932.

(Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Bestand Bayerischer Apothekerverband, Jubiläumsalbum des Collegium pharmaceuticum Norimbergense)
Rot umrandet die Kirchenstraße 27. In der Bildmitte ist die Kreuzung Harsdörfferstraße und Regensburger Straße zu erkennen. Links davon liegt die Peterskirche, rechts das Straßenbahndepot und der Petersfriedhof. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A97, Nr. 374)

Dr. Martin Wund

(1875-1939)

Verlegeort: Kirchenstraße 27 Stadtteil: St. Peter
Patin: Dr. Christiane Engel Verlegedatum: 26. Juni 2022

Biografie

Am 26. Juni 2022 verlegte Gunter Demnig an acht Stellen im Stadtgebiet zehn Stolpersteine. Auf Initiative von Dr. Christiane Engel befindet sich darunter ein Stolperstein für den jüdischen Apotheker Dr. Martin Wund, der 1939 in den Tod flüchtete.

Martin Wund kam am 12. März 1875 in Breslau zur Welt. Seine Eltern waren der Kaufmann Siegbert Wund und dessen Ehefrau Regina, geborene May. Martin studierte Pharmazie, promovierte und wurde Apotheker.

Im Oktober 1908 heiratete er in Darmstadt Emilie Wagner. Sie war dort am 3. September 1874 als Tochter des Baurats Heinrich Wagner und Althena, geborene Firman, geboren worden. Emilie war protestantischen Glaubens, Martin trat ebenfalls zum Protestantismus über.

Im Januar 1925 zog das Ehepaar vom Remlingen nach Nürnberg. In der Wirthstraße 44 eröffnete Martin die Albrecht-Dürer-Apotheke.

Trotz seiner Konversion galt er nach den „Nürnberger Gesetzen“ als Jude. Ab 1934 verpachtete er seine Apotheke an einen nichtjüdischen Betreiber, ab 1936 war dieser Umstand unumgänglich, da jüdische Apotheker ihre Geschäfte nicht mehr selbst führen durften.

Die Bestallungen jüdischer Apotheker erloschen zum 31. Januar 1939. Dies kam einer Enteignung gleich, da nur Apotheker an einen Apotheker vermieten durften.

Um seiner „arischen“ Frau als Apothekerswitwe die Pacht zu erhalten, nahm sich Dr. Martin Wund am 27. Januar 1939 im Nürnberger Hauptbahnhof das Leben. Die Ärztin Dr. Aenny Hauer, die 1939 den Totenschein ausstellte, bezeugte 1948, wohl aufgrund des Abschiedsbriefs, den er hinterlassen hatte, dass er in den Tod getrieben worden sei.

Quellen:

- Stadtarchiv Nürnberg C21/X Nr. 9 Meldekarte.

- Christiane Engel: Die Apothekengeschichte Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert bis zur Niederlassungsfreiheit (Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie 106), Stuttgart 2016, S. 210f.

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