Karl Kloss, Porträtfotografie 1944.

(Staatsarchiv Nürnberg, Anklagebehörde beim Sondergericht Nürnberg, Nr. 2555)
Hotel „Goldener Adler“ am Hallplatz 21. Ansichtskarte um 1930.

(Sammlung Daniel Gürtler)
Rot umrandet das südlich der Mauthalle gelegene Gebäude Hallplatz 21. Etwas weiter östlich (hier rechts) verläuft die Königstraße, vorbei an der Lorenzkirche und hinunter zur Pegnitz, die am oberen Bildrand zu erkennen ist. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 295)

Karl Kloss

(1895-1944)

Verlegeort: Hallplatz 21 Stadtteil: St. Lorenz
Patenschaft: Fliederlich e.V. – queeres Zentrum Verlegedatum: 17. Oktober 2017

Biografie

Seit dem 17. Oktober 2017 erinnern Stolpersteine in Nürnberg auch an homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus. Veranlasst hatte die Verlegung der Arbeitskreis Politik bei Fliederlich e.V. unter der Leitung von Ralph Hoffmann (†). An diesem Tag verlegte Gunter Demnig unter anderem einen Stolperstein für Karl Kloss, der sich in der Verhandlungspause das Leben nahm, als er bei einem Schauprozess öffentlich vorgeführt wurde.

Karl Kloss wurde am 12. Juli 1895 in Steuden bei Halle (Saale) geboren. Seine Eltern waren Bernhard Kloss und Lina, geborene Markgraf. In seinem Heimatort besuchte er die Volks- und Berufsschule. Anschließend arbeitete Kloss als Büfettgehilfe in Halle, Leipzig und Hamburg. Später wechselte er ins Hotelgewerbe und war unter anderem in Magdeburg, Meiningen und Erfurt als Hotelportier tätig. Die häufigen Ortswechsel erleichterten es ihm zweifellos, im Verborgenen seine Homosexualität zu leben und Kontakte zu anderen Homosexuellen zu knüpfen.

Über die Jahre baute sich Kloss einen großen Bekanntenkreis auf und er konnte lange Zeit der Strafverfolgung entgehen. Das änderte sich, als die Nationalsozialisten 1935 den § 175 verschärften und in diesem Zuge die Repression gegen Homosexuelle in bis dahin nicht gekanntem Maße intensivierten. Schlagartig schnellte nun die Zahl von Ermittlungsverfahren gegen Homosexuelle in ganz Deutschland in die Höhe. Im folgenden Jahr wurde Kloss in Meiningen wegen Verstoßes gegen den § 175 zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Aus demselben Grund folgten 1938 und 1939 zwei weitere Verurteilungen in Erfurt zu jeweils einem Jahr Gefängnis.

Nach der Verbüßung seiner Haftstrafen siedelte Kloss im August 1940 nach Nürnberg über, wo er im Hotel „Goldener Adler“ abermals eine Anstellung als Portier fand. In dem Hotel am Hallplatz 21 bewohnte er eines der Zimmer für die Bediensteten. Hotelgäste sowie Arbeitskollegen, die die Polizei später befragte, wussten nur Gutes über Kloss zu berichten: Demnach war er ebenso aufmerksam wie hilfsbereit, verhielt sich gegenüber den anderen Bediensteten kollegial und kümmerte sich zuverlässig um die Anliegen der Hotelgäste.

Anfang 1944 wurde Kloss an seinem Arbeitsplatz festgenommen. In seinen Sachen fand die Polizei mehrere Briefe des 36-jährigen Nürnbergers Edmund Reuter und kam zu folgender Einschätzung: „Die vorgefundenen Briefe des Reuter an Kloss sind inhaltlich wie Liebesbriefe und so zu deuten, daß zwischen den Beiden ein regelrechtes Liebesverhältnis besteht.“ Die Staatsanwaltschaft erhob deswegen Anklage gegen Kloss. Allerdings tat sie dies nicht vor dem Landgericht, sondern vor dem berüchtigten Sondergericht Nürnberg. Bereits der Wortlaut der Anklageschrift ließ keinen Zweifel an dem, was Kloss nun bevorstand. Dort wurde er aufgrund seiner Homosexualität als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ bezeichnet und seine „Ausmerzung“ zum Ziel ausgegeben.

Zum Prozess kam es am 8. Juni 1944: Den Vorsitz führte der Sondergerichtspräsident Rudolf Oeschey, der dafür bekannt war, dass er Angeklagte im Laufe der Sitzung heftig beschimpfte und erniedrigte. Die Strafen, die Oeschey am Ende eines solchen Schauprozesses verhängte, waren zudem drakonisch. In den Monaten zuvor hatte er mehrere Männer wegen Verstoßes gegen den § 175 zum Tode verurteilt. Nach Beginn der Sitzung scheint Kloss schnell jegliche Hoffnung aufgegeben zu haben. Er setzte seinem Leben ein Ende, noch bevor ein Urteil gesprochen wurde. In der Mittagspause erhängte sich Karl Kloss mit einem Hemdstreifen in seiner Zelle in der Untersuchungshaftanstalt.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

- Staatsarchiv Nürnberg, Anklagebehörde beim Sondergericht Nürnberg, Nr. 2555.

- Biografische Zusammenstellung von Dr. Matthias Gemählich.

Stolpersteine in der Nähe