Karl Jakob Kolb, Porträtfotografie um 1930.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 84)
Rot umrandet die Herschelstraße 17. Im Westen (hier links) ist der Ludwigskanal zu sehen. Auf der ehemaligen Kanaltrasse verläuft heute der Frankenschnellweg. Am rechten Bildrand verläuft, leicht geschwungen, von Nord nach Süd die Gibitzenhofstraße. Am unteren Bildrand sind Teile der Herschelschule zu erkennen. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 387)

Karl Jakob Kolb

(1891-1942)

Verlegeort: Herschelstraße 17 Stadtteil: Steinbühl
Patenschaft: Klaus Höcherl und Manfred Kümmerling Verlegedatum: 9. November 2018

Biografie

Am 9. November 2018 kam Gunter Demnig zu einer Stolpersteinverlegung nach Nürnberg. An diesem geschichtsträchtigen Datum, dem 80. Jahrestag der „Reichskristallnacht“, verlegte er Stolpersteine für jüdische und homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus. Klaus Höcherl und Manfred Kümmerling übernahmen die Patenschaft für Karl Jakob Kolbs Stolperstein. Kolb wurde 1942 in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim ermordet.

Karl Jakob Kolb kam am 12. März 1891 in Bayreuth zur Welt. Nach dem Ersten Weltkrieg zog er nach Nürnberg, wo er als Kaufmann arbeitete. 1919 heiratete er Anna Munkert und in den Folgejahren bekam das Paar zwei Kinder.

In dieser Zeit hatte Kolb aber auch immer wieder sexuelle Beziehungen mit Männern. Unter anderem verhängte das Landgericht Nürnberg-Fürth deswegen eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und drei Monaten gegen ihn. Nach deren Verbüßung lebte Kolb wieder in Nürnberg und verkehrte gelegentlich im „Wirtschaftsraum 3. Klasse“ im Nürnberger Hauptbahnhof, wo sich Ende der 1930er Jahre ein Treffpunkt für Homosexuelle etablierte. Dort lernte Kolb im Juni 1939 einen 20-jährigen Prostituierten kennen, dessen Dienste er in Anspruch nahm.

Die Begegnung mit dem jungen Mann kam Kolb teuer zu stehen. Wenig später verhaftete die Polizei den Prostituierten und dieser nannte unter dem Druck der vernehmenden Beamten die Namen von mehreren Männern, von denen er Geld für sexuelle Dienstleistungen erhalten hatte. Auch Kolb geriet so in das Visier der Ermittler und wurde daraufhin ebenfalls in Haft genommen. Zum Prozess gegen ihn und fünf weitere Männer kam es im November 1939 vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Wegen Verstoßes gegen den Paragraphen 175 verurteilte das Gericht Kolb zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe, die dieser in der Folge bis Mai 1940 im Strafgefängnis Ebrach verbüßte. Danach wurde er jedoch nicht freigelassen, sondern auf Anweisung der Nürnberger Kriminalpolizei in das KZ Dachau eingewiesen.

In Dachau traf Kolb Anfang Juni 1940 ein. Kurze Zeit später wurde er für ein halbes Jahr in das bei Hamburg gelegene KZ Neuengamme überführt. Ab Mai 1941 befand er sich wieder als Häftling in Dachau. Die Haft in den beiden Lagern muss den nunmehr 50-jährigen Kolb körperlich vollkommen zermürbt und seine Gesundheit ruiniert haben. Nicht anders ist es zu erklären, dass er im folgenden Winter einer groß angelegten Mordaktion zum Opfer fiel, bei der die SS nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge aus dem Lazarett des Lagers beseitigte. Kolb wurde Ende Januar 1942 mit einem sogenannten „Invalidentransport“ in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz gebracht und dort am 27. Januar in der Gaskammer ermordet.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/IX Meldekarte.

- Staatsarchiv Nürnberg, Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Nürnberg-Fürth II, Nr. 1188.

- Auskunft der KZ-Gedenkstätte Dachau, 4. April 2017.

- Biografische Zusammenstellung von Dr. Matthias Gemählich.

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