Fritz Kissinger, Porträtfotografie um 1920.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 82)
Fritz Kissinger, Porträtfotografie um 1930.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 82)
Rot umrandet die Hochstraße 22. Jenseits der parallel verlaufenden Deutschherrnstraße erstrecken sich am oberen Bildrand die Sportplätze auf der Deutschherrnwiese. Die drei auf die Wiese zulaufenden Verbindungsstraßen sind von West nach Ost (hier links nach rechts) die Blumenthal-, die Moltke- und die Solgerstraße. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 264)

Fritz Kissinger

(1905-1952)

Verlegeort: Hochstraße 22 Stadtteil: Himpfelshof
Patenschaft: Rotary Club Nürnberg Kaiserburg Verlegedatum: 11. Juni 2021

Biografie

Gunter Demnig verlegte am 11. Juni 2021 sechs Stolpersteine für Opfer nationalsozialistischer Medizinverbrechen in Nürnberg. Deren Lebensweg erforschten Schülerinnen und Schüler eines P-Seminars des Hermann-Kesten-Kollegs Nürnberg unter der Leitung von Dr. Maren Janetzko und Dr. Pascal Metzger. Das Projekt wurde in Kooperation mit Geschichte Für Alle e.V. durchgeführt. Die Seminarteilnehmer warben beim Rotary Club Nürnberg Kaiserburg erfolgreich um eine Spende für die Verlegung. In dem Projekt wurde unter anderem die Biografie von Fritz Kissinger rekonstruiert. Nachdem eine „Erbkrankheit“ bei ihm diagnostiziert worden war, wurde er zwangsweise sterilisiert.

Fritz Kissinger kam am 8. Mai 1905 als erster Sohn des jüdischen Lederwarenfabrikanten Daniel Kissinger in Nürnberg zur Welt. Zusammen mit dem Vater, seiner Mutter Amalie, geborene Erlanger, und dem fünf Jahre jüngeren Bruder Walter wohnte er in der Hochstraße 22 in Himpfelshof. Im väterlichen Betrieb lernte Fritz den Beruf des Kaufmanns und war für das Unternehmen häufig im In- und Ausland unterwegs.

In jungen Jahren litt er immer wieder an Depressionen, was zu stationären Behandlungen und Kuraufenthalten führte. Diese Einrichtungen waren gemäß dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat, dazu verpflichtet, entsprechende Diagnosen anzuzeigen.

Das für Nürnberg zuständige Erbgesundheitsgericht in Erlangen verurteilte Fritz 1934 zur Sterilisation. Der Eingriff wurde im Februar 1935 durchgeführt, die Unfruchtbarmachung schlug jedoch fehl. Im Sommer 1936 zeugte Fritz mit Else Kaufmann, die ebenfalls jüdisch war, ein Kind. Städtische Dienststellen diskutierten nun, ob der Staat in diesem Fall unterhaltspflichtig sei. Else zog noch während der Schwangerschaft nach Berlin und brachte ihre Tochter Stella dort zur Welt. Fritz musste sich im Dezember 1938 einer zweiten Operation zur Unfruchtbarmachung unterziehen.

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gelang Fritz Kissinger die Emigration in die USA. Dort trat er in die US-Armee ein. Er starb bei einem Autounfall am 31. Dezember 1952 nahe Boston.

Sein Bruder konnte im September 1939 ebenfalls fliehen und ging nach Südamerika. Ihr Vater starb im August 1942 in Nürnberg. Amalie Kissinger, Else und Stella Kaufmann wurden in Konzentrationslager deportiert und ermordet.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 48/II Nr. 1480.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Meldekarte.

- Staatsarchiv Nürnberg, Bezirkskrankenhaus Erlangen, Patientenakte Fritz Kissinger.

- Korrespondenz mit Elizabeth Levy, einer Verwandten Kissingers, Frühjahr 2021.

Stolpersteine in der Nähe