Arthur Blümlein, Porträtfotografie um 1935.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 16)
Ida Blümlein, Porträtfotografie um 1935.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 16)
Robert Blümlein, Porträtfotografie um 1935.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 16)
Rot umrandet die Obere Pirckheimerstraße 43, direkt an der Einmündung zur Hoppertstraße. Die Straße am unteren Bildrand ist die Veillodterstraße, die etwas weiter östlich in die Bayreuther Straße übergeht. Am oberen rechten Bildrand ist ein Teil des Stadtparks zu erkennen. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 238)

Arthur, Ida, Robert und Charlotte Blümlein

Verlegeort: Pirckheimerstraße 117 (früher: Obere Pirckheimerstraße 43) Stadtteil: Maxfeld
Patenschaft: Ellen Marcus Verlegedatum: 20. Oktober 2018

Biografien

Ellen Marcus ließ am 20. Oktober 2018 Stolpersteine für ihre Familie verlegen: Ihre Mutter Charlotte (Lottie) konnte in die USA emigrieren, ihre Großeltern Arthur und Ida und ihr Onkel Robert überlebten den Holocaust nicht.

Arthur Blümlein wurde am 4. April 1872 in Nürnberg geboren. Seine Eltern Maier Blümlein und Rosalie, geborene Feldheim, stammten aus Schonungen bei Schweinfurt. Wie der Vater arbeitete Arthur als Kaufmann, in Nürnberg handelte er mit Spielwaren.

Er heiratete Ida Kuh, die am 21. April 1891 in Redwitz bei Lichtenfels zur Welt gekommen war. Ihre Eltern waren Theodor Kuh und Fanny, geborene Liebermann. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: Robert wurde am 3. November 1913 geboren, Charlotte am 19. Februar 1916.

Aufgrund einer geistigen Beeinträchtigung lebte Robert ab seinem 16. Lebensjahr in der Heil- und Pflegeanstalt Kalmenhof in Idstein, westlich von Frankfurt am Main. Die Einrichtung war überkonfessionell ausgerichtet und zählte viele Juden zu ihren Bewohnern. Am 8. Februar 1933, noch vor der „Gleichschaltung“ der Anstalt, holten ihn die Eltern zu sich zurück.

Charlotte besuchte das städtische Mädchenlyzeum und die städtische Handelsschule für Mädchen. Sie sah ihre Zukunft nicht im nationalsozialistischen Deutschland und emigrierte Anfang März 1934, wenige Tage nach ihrem 18. Geburtstag, in die USA. Ein dort bereits lebender Onkel half ihr bei der Beschaffung des Visums.

Ende der 1930er Jahre wollten auch die Eltern mit Robert in die USA flüchten, erhielten aber keine Visa mehr.

Die Familie lebte über viele Jahre in einer Wohnung in der Oberen Pirckheimerstraße 43, die heutige Pirckheimerstraße 117 (im Jahr 1954 hob die Stadt die Trennung der Straße in Untere, Mittlere und Obere Pirckheimerstraße auf). Ihre letzten Monate in Nürnberg verbrachte die Familie Blümlein zusammengepfercht mit vielen anderen in dem „Judenhaus“ Meuschelstraße 38. Durch die Konzentration jüdischer Einwohner in sogenannten „Judenhäusern“ gewann die Stadtverwaltung Wohnraum für „Volksgenossen“, konnte Juden leichter überwachen und letztendlich deportieren.

Robert wurde am 24. März 1942 in das Ghetto Izbica deportiert und ermordet. Arthur und Ida deportierte man am 10. September 1942 in das KZ Theresienstadt. Arthur starb dort am 18. April 1943. Ida verschleppte man am 18. Mai 1944 weiter in das KZ Auschwitz, wo sie ermordet wurde.

Charlotte heiratete in den USA den Zahnarzt Dr. Howard Marcus, sie starb im Dezember 2015 in San Diego, wenige Wochen vor ihrem einhundertsten Geburtstag.

- Redemanuskript von Ellen Marcus bei der Stolpersteinverlegung am 20. Oktober 2018.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Nr. 2 Meldekarte.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 29), Nürnberg 1998, S. 34.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa, Ergänzungsband (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 30), Nürnberg 2002, S. 7.

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