Dr. Stephan Wurzinger, Porträtfotografie um 1930.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 183)
Dr. Stephan Wurzinger, Porträtfotografie um 1935.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 183)
Jenny Wurzinger, Porträtfotografie um 1930.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 183)
Jenny Wurzinger, Porträtfotografie um 1935.

(Stadtarchiv Nürnberg, C21/VII Nr. 183)
Rot umrandet die Fürther Straße 22. In der rechten Bildhälfte ist der ehemalige Ludwigsbahnhof zu erkennen und am unteren Bildrand in der Mitte das Volksbad. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A97, Nr. 285)

Dr. Stephan und Jenny Wurzinger

Verlegeort: Fürther Straße 22 Stadtteil: Gostenhof
Pate: Jan Meyer Verlegedatum: 26. Juni 2022

Biografie

Am 26. Juni 2022 verlegte Gunter Demnig an acht Stellen im Stadtgebiet zehn Stolpersteine. Jan Meyer ließ Stolpersteine für das Ehepaar Fritz und Jenny Wurzinger sowie deren Sohn Stephan und Schwiegertochter Jenny verlegen. Die Eltern wurden in Treblinka ermordet, dem Sohn gelang mit seiner Frau die Flucht in die USA.

Stephan Wurzinger wurde am 31. August 1897 in Nürnberg geboren. Seine Eltern waren der Tuchgroßhändler Fritz Wurzinger und dessen Ehefrau Jenny, geborene Ross. Stephan wuchs zusammen mit seinem jüngeren Bruder Alfred (geb. am 5. Juni 1901) im elterlichen Haus in Rückersdorf auf.

Ab 1919 studierte Stephan zunächst in Erlangen und anschließend in München Medizin. Nach seiner Promotion arbeitete er 1929/30 als Volontär am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Ab Juni 1930 führte er eine Kinderarztpraxis in Nürnberg.

Am 21. Dezember 1933 heiratete er in München Jenny Müller. Sie war am 25. März 1896 in einer katholischen Familie in Danzig zur Welt gekommen.

Bereits im Sommer 1933 hatten die Nationalsozialisten allen jüdischen Ärzte die Anstellung im öffentlichen Gesundheitsdienst verboten, sie durften also nicht mehr an Universitäten oder in Krankenhäusern arbeiten. Gleichzeitig entzog man jüdischen Ärzten die Zulassung zur Kassenärztlichen Vereinigung, sie konnten Patienten also nur noch auf Privatrechnung behandeln. Im September 1938 ging der NS-Staat den letzten Schritt in der Vernichtung der beruflichen Existenz jüdischer Ärzte: Sie bekamen die Approbation entzogen und nur noch wenigen war es als „Krankenbehandler“ erlaubt, jüdische Patienten zu versorgen.

Zu diesem Zeitpunkt flohen Dr. Stephan und Jenny Wurzinger in die USA. Sie verließen Nürnberg am 23. September 1938.

Fritz‘ Eltern wurden in Treblinka ermordet. Seinem Bruder Alfred gelang 1938 ebenfalls die Flucht in die USA.

Quellen:

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Nr. 10 Meldekarten.

- Bernd Höffken: Schicksale jüdischer Ärzte aus Nürnberg nach 1933, Berlin 2013, S. 408.

- Andrea Autenrieth: Ärztinnen und Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden, Diss.-med. München 2012, S. 36f.

- Schreiben der American Federation Of Jews From Europa an die Jewish Restitution Successor Organization am 27. November 1951 [im Privatarchiv Jan Meyer].

Stolpersteine in der Nähe