Dr. Aron Cohn, Porträtfotografie um 1935.

(Ruth Reinecke)
Aron Cohn mit seinen Geschwistern, Porträtfotografie um 1920.

(Ruth Reinecke)
Die Hopfenhandlung Bernhard Bing am Marienplatz (heute Willy-Brandt-Platz) um 1900. In dem Gebäude befanden sich auch andere Geschäfte und Wohnungen. Der Eingang zu Hausnummer 8 ist in der rechten Bildhälfte zwischen den beiden Bäumen zu sehen.

(Bestand Geschichte Für Alle e.V.)
Rot umrandet der Marienplatz 8, der heutige Willy-Brandt-Platz. Darüber durchschneidet die Marienstraße die Marienvorstadt von West nach Ost. Am unteren Bildrand sind die Gleise des Hauptbahnhofs zu erkennen, am oberen rechten Bildrand erstreckt sich die Wöhrder Wiese. Luftaufnahme 1927.

(Stadtarchiv Nürnberg, A 97 Nr. 325)

Dr. Aron Cohn

(1904-1945)

Verlegeort: Willy-Brandt-Platz 8 (damals Schlageterplatz 8) Stadtteil: Marienvorstadt
Patenschaft: Ruth Reinecke Verlegedatum: 9. November 2018

Biografie

Am 9. November 2018, dem 80. Jahrestag der sogenannten „Reichskristallnacht“, war Gunter Demnig zu einer Stolpersteinverlegung in Nürnberg. An diesem geschichtsträchtigen Datum verlegte er unter anderem einen Stolperstein für Dr. Aron Cohn, der aus seiner Heimatstadt in die Niederlande geflohen war, dort aber wieder in die Hände des NS-Regimes geriet und den Holocaust nicht überlebte. Den Anstoß zur Verlegung gab Arons Nichte Ruth Reinecke.

Aron kam am 18. Oktober 1904 in Nürnberg zur Welt. Sein Vater Sally Cohn stammte aus Thorn und war 1899 nach Nürnberg gezogen, wo er einen Metallwarenhandel aufbaute. Im Juni 1903 heiratete er Gella Schwab in deren Heimatstadt Frankfurt am Main. Das Ehepaar bekam drei Kinder: Aron, Leopold und Emma. Sally Cohn verstarb am 29. Februar 1920 an der Spanischen Grippe.

Aron absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Kaufmann. Später studierte er Philosophie in Genf, Wien und zuletzt in Erlangen, wo er im Frühjahr 1934 promovierte. Im Mai 1934 zog er nach Prag, im September 1935 nach Paris und im September 1936 nach Amsterdam. Dort lernte er Gitella Pels mit ihrer Tochter Eva kennen und sie heirateten 1938.

Am 20. Juni 1943 wurde die Familie in das KZ Westerbork deportiert und im Januar 1944 ins KZ Bergen-Belsen. Dort starb Gitella am 2. April 1945 und Aron wenige Tage später am 15. April 1945, nur Eva überlebte.

Zum Zeitpunkt der Stolpersteinverlegung war der Wissensstand über Dr. Aron Cohns Tod folgender: Als die SS Bergen-Belsen vor den heranrückenden Alliierten räumte, soll er in einem Zug („Der verlorene Zug“) noch bis Tröbitz in Brandenburg gekommen und dort gestorben sein. Diese Information erwies sich inzwischen als falsch.

- Biografischer Text von Ruth Reinecke, März 2021.

- Stadtarchiv Nürnberg, C 21/X Nr. 2 Meldekarte.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 29), Nürnberg 1998, S. 45.

- Stadtarchiv Nürnberg (Hrsg.), Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Schoa, Ergänzungsband (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg, Bd. 30), Nürnberg 2002, S. 9.

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